»Wenn wir nichts haben, ist alles willkommen«
Von: Giessener Allgemeine, 14.03.2011
Pohlheim (kah). »Herzlich willkommen!« tönte eine Stimme aus dem Off. Es erklangen die rumänische, die deutsche sowie die Europahymne, gespielt vom »trio con spirito« unter Leitung von Dekan i.R. Christian Scholz. Viele Bilder der vergangenen 20 Jahre sehe man vor Augen, sagte Friedhelm Rüb, der Vorsitzende der Pohlheimer Rumänienhilfe. Menschen in ganz Osteuropa hätten noch viel vor sich. Obwohl viele dieser Länder bereits Mitglied in der Europäischen Union seien, fehle es dort an den einfachsten materiellen Dingen.
Durch das Festprogramm führte Joachim Toran, der lange Jahre aktiv im Vorstand der Hilfsorganisation tätig war. Toran erinnerte an den ersten Transport, den Friedhelm Rüb gemeinsam mit ihm und Karl-Heinz Reinke mit einem Kastenwagen nach Tirnaveni unternahm. Dieser Transport im März 1991 war zunächst als Einzelaktion geplant. Mittlerweile sind es fast 300 Transporte geworden. Die Betreuung des Krankenhauses in Tirnaveni mit 1200 Betten, die Betreuung des Kinderkrankenhauses in Tirnaveni mit 80 Betten, die Schulspeisungen von 190 Kindern in Zagar, die Unterstützung der kommunalen Suppenküche in Tirnaveni, die Armenapotheken in Sibiu und Bistriz, Erholungen für asthmakranke Kinder in ehemaligen Salzbergwerken, und die Finanzierung einer Sozialstation in Tirnaveni sind nur einige der Projekte, für die sich der Pohlheimer Verein engagiert. Weihnachtspäckchen, Kleiderkammern und die Altenhilfe ergänzen das Hilfsprogramm. Eine Bilderschau von Bernd Rulf zeigte Impressionen aus 20 Jahren Arbeit.
Landrätin Anita Schneider sprach ein anerkennendes Dankeschön aus. ›Sie stellte das bürgerschaftliche Engagement, basierend auf christlicher Nächstenliebe, heraus. Der Nächste sei manchmal auch über Landesgrenzen hinaus zu finden. Hilfe zur Selbsthilfe und freundschaftliche Beziehungen zwischen Deutschen und Rumänen seien gewachsen. Im ganzen Kreis gebe es zahlreiche Menschen, die sich finanziell und materiell an der Arbeit beteiligten. Stadtrat Walter Müller überbrachte Grüße und Dank der Stadt Pohlheim. »Machen Sie so weiter«, bat Müller das Team der Rumänienhilfe.
Die Grüße von Rodica Muth als Vertreterin der Stadt Tirnaveni und Chefarzt Dr. Florin Varga wurden von Monica Capusan übersetzt. Für viele warmherzige Aktionen bedankte sich Muth im Namen des Bürgermeisters Alexandru Adrian Matei. Das sei Beweis dafür, dass alle in einer großen europäischen Familie lebten. Geschichte geschrieben hätte die Hilfsorganisation, so der Chefarzt des Krankenhauses in Tirnaveni. Kaum jemand hätte gedacht, dass es zum 20. Jahrestag käme. Auf die Frage, was benötigt werde, habe man seinerzeit geantwortet: »Wenn wir nichts haben, ist alles willkommen!«
Christel Gontrum gratulierte als Bezirksvorsitzende der Landfrauen. Sie lobte freundschaftliches Miteinander. Ehrenamt sei ein unverzichtbares Element unserer Gesellschaft. Für die Vereinsgemeinschaft Dorf-Güll gratulierte Klaus Haas. Diese 20 Jahre der Hilfe, so Haas, seien der persönliche Verdienst von Friedhelm Rüb. Bewundernswert sei es, wie man im Rahmen bescheidener Möglichkeiten direkte Hilfe in Rumänien leisten könne. Der Dorf-Güller Ortsvorsteher Karl-Heinz Kuhl stellte fest, dass die Helfer dem Sprichwort »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es« konkret Bedeutung gäben. Herbert Jung von der evangelischen Kirchengemeinde Holzheim stellte fest, dass das Jubiläum eigentlich traurig sei, zeige es doch, dass die Hilfe für Rumänien immer noch nötig sei. Dennoch bewunderte er die Arbeit des Vereins. Neben Klavier, Querflöte und Fagott des »trio con spirito« sorgte das Kopeka Quintett aus Ober-Widdersheim mit Gesang zum Klavier für den musikalischen Rahmen. Das Festwochenende klang am Sonntag mit einem Gottesdienst und einem gemütlichen Nachmittag aus.










